nachgedacht!
Es sind Tage, wie dieser, an denen man unweigerlich anfängt, über sein Leben und seine persönlichen Ziele nachzudenken. Was dabei rauskommt, ist stellenweise so privat, dass ich es vorziehe, dieses für mich zu behalten…
Aber nun mal von vorn und erstmal ganz ohne Wertung:
Ich bin heute morgen um halb zehn aus meinem Bett gekrochen, da war die Welt noch in Ordnung. Der Prinz schlummerte seelenruhig neben mir weiter, während ich mich auf leisen Sohlen aus dem Schlafzimmer schlich. Junior war - wie immer - bereits seit acht Uhr auf und spielte mit seinem Nintendo. Ich schlurfte also erstmal ins Bad und schlüpfte in meine Klamotten. Dann gabs Frühstück für Junior und mich - der Prinz schlief ja noch.
Dann gabs Beschäftigungs-Therapie für Junior und gegen halb zwölf einen Kaffee für den Prinzen ans Bett. Nachdem ich Junior zur sonntäglichen Mittagsruhe in sein Bett gebracht hatte, brauste ich mit meinem Clio zu meinen Eltern. Meine Mutter verlangte danach, die Haare gestylt zu bekommen. Auch bis dahin war noch alles gut. Ich schlage also kurze Zeit später bei meinen Eltern auf, wo die Stimmung unterschwellig am Kochen war. Kennt ihr das? Ihr kommt irgendwo hin und man merkt sofort, irgendwas stimmt hier nicht.
Und richtig: meine Mutter ist seit einer Woche krank und mein Vater macht trotzdem keinen Finger krum und lässt sich von meiner Mutter bedienen. Es gibt viele Hintergründe, die ich hier nicht weiter ausführen will. Nur soviel: Jahrzehnte lang wurde mein Vater zur Unselbständigkeit “erzogen”, heute hat meine Mutter das Ergebnis dieser “Arbeit” und das ist auch nicht richtig. Naja, die beiden sich also angezickt. Ganz prima und ich mittendrin… Ich habe die Konversation auf das Nötigste beschränkt und das Bermuda-Dreieck ganz gut umschiffen können.
Dann kam ich wieder nach Hause, Junior schlummerte noch in seinem Bett, und gerade da, als der Prinz und ich es uns auf der Couch bequem gemacht hatten, war er natürlich wieder hellwach und verlangte nach seinem Sonntag-Nachmittag Spaßprogramm. Ich pellte mich aus der Umarmung des Prinzen, der zwischenzeitlich wieder ins Land der Träume abgetaucht war. Nachdem ich die Waschmaschine bestückt und angestellt hatte, gabs ein Eis für Junior und was zu Essen für Mama. Der Prinz wachte langsam auf, Kaffee-Druckbetankung und dann Wohnung putzen. Sind wir ja gestern nicht zu gekommen und in der Woche ist das aus Zeitgründen nicht schaffbar. Junior räumte sein Zimmer auf und der Prinz betätigte Staubsauger und Wischmop. Arbeitsteilung, ich wohn ja nicht alleine hier. Ich räumte den ganzen Kram auf, der so rumlag und wischte Staub. Die Grundreinigung des Badezimmers steht mir noch bevor…
Meine beiden Männer haben ein sehr ausgeprägtes Faulheitsgen oder vertreten die Ansicht, dass ich alleine die Hausarbeit zu erledigen habe. Unterschiedlich ist nur das Alter und dementsprechend die Lebenserfahrung - soll heißen, wenn ich Junior sage, dass er aufräumen soll, muss ich das unter Umständen einige Male wiederholen, bis er sich in Bewegung setzt. Der Prinz reagiert beim ersten Mal. Schließlich sind das die einzigen Aufgaben, die meine Männer haben. Dennoch vertreten beide unabhänigig voneinander die Auffassung, dass das noch zuviel ist. Wie ich darauf komme? Man braucht hier im Moment ein Messer, um die Luft zu schneiden. Man gut, dass die Balkontür offensteht, damit frischer Sauerstoff reinkommt. Der eine grummelt rum und mault das Haustier voll und der andere zieht ein Gesicht, wie drei Tage Regenwetter…
Man gut, dass der Fernseher läuft. Der eine sitzt links von mir und starrt auf die Glotze. Der andere sitzt rechts und tut genau das Gleiche. Und was mache ich? Genau, ich blöde Kuh sitze mal wieder dazwischen. Ich schreibe mir den Frust von der Seele. Seit Wochen ist das jedes Wochenende so bei uns. Man kann sich das Leben auch schwer machen - das beherrschen sie beide perfekt: mir das Leben schwer zu machen.
Aber ich lasse mir mein Wochenende nicht vermiesen. Schließlich bin ich mit guter Laune in den Tag gestartet. Vielleicht sollte ich mit meinem Clio mal ne Runde drehen und dabei die Musik ganz laut drehen und einfach an gar nix denken…





Ich kenne das von uns. Unterhalb der Woche hat man kaum Zeit füreinander. Weder für sich als Paar, noch für den Junior. Und am Wochenende prallen alle Interessen aufeinander. Leider unterschiedliche Interessen. Und schon knallt’s.
Die Woche über gestresst und ins Wochenende startet man mit dem Gedanken “Heute machen wir es uns aber so richtig schön/gemütlich/ irgendwas…” Dummwerweise hat jeder seine eigene Definition von schön/gemütlich/irgendwas. Ich denke, so sieht es in einem Großteil der Familien aus. Und es ist soweit, dass ich mich manchmal vor dem WE graule und mich freue, wenn ich Woche wieder losgeht.
Alles wird gut - irgendwie…. *drück*
Und zu welcher Erkenntnis bist Du nun in Bezug auf die Ziele gelangt? Die beiden Männer bekommen einen VHS-Kurs zum Thema “Putzen senkt nicht den Testosteron-Spiegel” und Du machst mal wieder ein bisschen mehr für Dich alleine?
@ Meg: Dafür gibt es einen Kurs bei der VHS?
Das wäre ja mal eine einfache Lösung
@ Frau W.: genauso isses. Und klar wird alles gut. Die Muffel-Stimmung hat den Prinzen wenigstens zum Aufräumen des Arbeitszimmers motiviert - wenigstens dafür war es gut.
Und da das WE sich jetzt dem Ende neigt, machen wir es uns mit ausgerauchten Fahnen wenigstens noch einen schönen Restsonntag.
Den wünsche ich euch allen auch!!! *zurückdrück*